Im Zickzack nach Patagonien

Nach einem herzhaft doitschem Abschiedsessen und einem kurzen und schmerzlosem „hasta luego“ ließ ich meine beiden Ossi-Reisegefährten hinter mir und machte mich auf den Weg Richtung Süden. Nachdem ich wochenlang in Begleitung gefahren bin war es definitiv eine Umstellung, wieder alleine unterwegs zu sein. In der Praxis bedeutete das vor allem kürzere Pausen, schnelleres Vorankommen, kompromisslose Routenplanung und die nie endende Suche nach Gesellschaft. Besonders die fehlende Gesellschaft, die ich in den letzten Wochen genossen habe machte sich in den ersten beiden Tagen bemerkbar (alleine lacht es sich nicht so gut wie zu dritt). Doch nach zwei Tagen unspektakulärer Autobahnfahrt lernte ich das Einzelgängerleben wieder voll zu schätzen, nutzte meine wiedergewonnen Autonomität für einen super Zickzack-Kurs, der mich über abgelegende Andenpässe, die windige Pazifikküste, mondähnliche Lavalandschaften und traumhafte Märchenwälder inklusive glasklaren Seen und Flüssen und schneebedeckten, rauchenden Vulkanen in Richtung Patagonien führten. Außerdem brachte mich mein Einzelgänger dasein den Einheimischen mal wieder ein bisschen näher, die die Sommermonate damit zubrigen mit der ganzen Familie Campingurlaub zu machen und einsamen Radfahrern Gesellschaft zu leisten (und sie mit großen Mengen Grillfleisch zu füttern.

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In meiner ersten Nacht nach Santiago werde ich eingeladen, in diesem Garten mit Privatpool zu campen. Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, das sich die Gestalt meines Zeltes geändert hat. Aus rechtlichen Gründen muss ich leider stillschweigen bewahren über die Ereignisse die mich in den Besitz dieses Schmuckstückes gebracht haben.

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Als ich am zweiten Tag in dem Laden dieser netten Frau eine große Wassermelone auslöffele, bekomme ich nicht nur diese geschenkt, sondern auch noch eine Tütte gefüllt mit Pfirsichen, Pflaumen und Tomaten mit auf den Weg gegeben

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Als ich die Autobahn endlich verlasse wandelt sich die Landschaft schnell von trocken und wüstenartig hin zu mehr Vegetation.

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Am nächsten Tag lasse ich nicht nur den Verkehr, sondern auch die Zivilisation hintermit und klettere hinauf zur Grenze

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Ich verbringe die Nacht in der argentinischen Grenzstation, die ich mit einer Gruppe us-amerikanischer Geologen teile. Am nächsten Morgen wachen wir zu einem Hagelschauer auf, so dass wir uns sehr schnell auf den Weg machen zu diesen verlassenen Thermalbädern mit Gletscherblick.

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Perfekte temperatur zum auftauen und kurze Zeit später zeigt sich auch die Sonne wieder.

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Danach geht es den ganzen Tag durch dieses wunderschöne Tal

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Zum nächsten Grenzübergang, der sich etwa 100km weiter südlich befindet.

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Am Abend erlöse ich meinen Mantel von seinem Dienst. Dieser 8 Euro teure Superheld hat es über 15,000km durchgehalten

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Zurück nach Chile geht es aus Asphalt…

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…begrüsst werde ich in Chile von zwei riesigen Seen…

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Und faszinierenden Felsformationen

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Sowie einem perfektem Campspot and diesem Fluss.

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Der Tag neigt sich dem Ende…

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Am nächsten Morgen werde ich unsanft aus dem Schlaf gerissen. Ein Paar Gauchos haben ihre Rinderherde direkt um mein Zelt herumgetrieben und ich kann mich glücklich schätzen, dass keines der Tiere in Panik über mich und mein Zelt gestolpert ist.

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Ich mache mich auf den Weg Richtung Pazifikküste und zelte wie in den letzten Tagen zur Gewohnheit geworden an Orten mit 5-Sterne-Bademöglichkeiten

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Nach einem schwitzigem 140km Tag erreiche ich angetrieben von dem Gedanken an ein reinigendes Pazifikbad die Küste.

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Die Frage, warum die Leute nicht im Wasser sind beantwortet sich als meine Füsse in Berührung mit dem Wasser kommen und sich mein Körper innerhalb weniger Milisekunden in kompletter Schockstarre befindet. Das Wasser ist kurz vor dem Gefrierpunkt

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Trotzdem lohnt sich der Umweg an die Küste allemal, ich verbringe die nächsten Tage vorallem damit auf Meer zu gucken und mit anderen Radfahrern Bier zu trinken.

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Und natürlich den örtlichen Fischern auf die Fingen zu schaun

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Nach drei Tagen entspannen geht es die Küstenstraße entlang Richtung Süden…

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Ich bekomme noch einen heißen Camptip mit auf dem Weg: Diese halbabgebrannte Ruine bietet mir einen Unterschlupf mit perfektem Panoramablick.

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Am nächten Morgen vernehme ich komische Geräusche, die von diesen Mähnenrobben ausgehen. Viele kämpfen verbissen um ihren Platz auf dem Felsen…

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… andere lassen es entspannter zu gehen

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Danach geht es wieder Richtung Inland…

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Und ich merke, dass ich Patagonien in großen Schritten näher komme…

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Neben glasklaren Seen und Flüssen gibt es eine ganze Reihe schneebedeckter Vulkane zu bestaunen, von denen viele ununterbrochen Rauchzeichen absenden

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Ich habe eine ehrgeizige Strecke ausgewählt, die mich unter anderem über einen 10km langen Trampelpfad führt. Meine ehemaligen Begleiter haben diese Strecke nur mit größten Mühen bewältigt und den kompletten Tag damit verbracht, die beiden Fahrräder einzeln den normalerweise nur von Gauchos benutzten Weg hochzuschieben. Trotz gewisser Restzweifel, ob ich dem Unterfangen alleine gewachsen bin, mache ich mich auf den Weg zu besagtem Weg.

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Umso größer ist meine Freude, als ich am Abend am Fuße des Weges mein Camp aufschlage und unerwartet Gesellschaft bekomme. Eine Gruppe von sieben Chilenen bricht am nächsten Tag in die gleiche Richtung, sie könnten also am nächsten Tag meine Rettung bedeuten, falls ich mein Rad nicht alleine hochgeschoben bekomme.

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Außerdem werde ich mit diesem leckeren Abendessen und ein paar Drinks versorgt, schon im Laufe des Abends beschleicht mich allerdings das Gefühl, dass die (positiv ausgedrückt) untrainierte Gruppe nicht so recht weiß, worauf sie sich einlässt…

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Am nächsten Morgen bestätigen sich meine Befürchtungen, als die Gruppe schon auf den ersten Metern bergab Probleme hat. Im Endeffekt bin ich der einzige, der sein Fahrrad (obwohl doppelt so schwer) alleine hochgeschoben bekommt. Anstatt Hilfe in Anspruch zu nehmen helfe ich den korpulenten und völlig überforderten Chilenen,  ihre Räder auf den ersten 2 km hoch zu schieben. Danach ist der Pfad zumindest für mich einigermaßen fahrbar und so lasse ich meine neuen Freunde realtiv schnell wieder auf sich alleine gestellt.

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Nach 6km erreiche ich den höchsten Punkt, wo ich Gesellschaft von zahllosen dieser schönen Echsen bekomme. Ich frage mich, wie meine ehemaligen Begleiter einen ganzen Tag für dieses Strecke gebraucht haben können (vielleicht lag es an ihren vom Zugfahren schlaff gewordenen Storchenbeinchen??)

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Die nächsten zwei Tage sind schlichtweg spektakulär (genau wie die vorangegangenen)

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Und auf  wenig befahrenen Straßen

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Geht es durch spektakuläre Wälder… 

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Die Araukarie, die dieser Region Chiles ihren Namen verleiht, auch Affenschwanzbaum genannt, ist stark gefährdet…

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Diese Bäume sind bis zu 2000 Jahre alt, sie wachsen sehr langsam und werfen im Laufe ihres langen Lebens nach einigen hundert Jahren ihre unteren Zweige ab

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In Richtung Süden ist plötzlich Schluss mit Märchenwald.

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Er wurde unter einem riesigen Lavastrom begraben, die von dem Ausbruch des Vulkanes Lonquimay Ende der 80er Jahre ausgelöst wurde und eine große Schneide ins Tal schnitt.

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Bei der Erruption entstand außerdem dieser Nebenkrater, genannt Crater de Navidad, da sich der Ausbruch Weihnachten 1988 ereignete.

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Blick auf den nahegelegenden Vulkan Villarica

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Am Abend schließe ich Freundschaft mit dieser Familie, die es sich zur Aufgabe machen, meinen Hunger und meine Magengröße mit Ziegen-, Lamm-, Rind- und Schweinefleisch zu testen. (ich gab mich nach stundenlangen Kampf geschlagen)

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Am nächsten Morgen erreiche Melipeuco, wo ich einen wohlverdiehnten Ruhetag einlege und am Abend alte holländische Bekannte wiedertreffe. Ein guter Ort um in aller Ruhe die nächsten Abenteuer zu planen…

Als Trio durch die Einöde

Nach ausgiebigem „urlauben“ in San Pedro de Atacam in gemütlicher Fahrradfahrer Atmosphäre geht es nach einigen Tagen weiter, Richtung Argentinien. Da es Anfang Dezember ist (ja, ich hänge ein wenig hinterher mit dem Blog), werden schon fleißig Weihnachtspläne geschmiedet. Die Idee: Ein Apartment in Mendoza, Argentiniens Weinhauptstadt, mieten, es mit Fahrradfahrern aus aller Welt füllen und dann ein paar Tage mit essen, trinken, essen, essen und quatschen verbringen. Geiler Plan! Das einzige Hinderniss auf dem Weg nach Mendoza sind über 1000km auf der berühmten Ruta 40, die über 5000km lange Straße, die einmal längs durch Argentinien führt, hauptsächlich durch die Pampa allerdings. Ewig lange fast flache gradeaus Strecke durch Hitze und Wind und Wüste ist nicht grade mein Traum (andere Fahrradfahrer sehen das durchaus anders). Da kommt es also gut gelegen, dass ich kurz vor der Grenze zwei alte Freunde wiedertreffe, in deren Gesellschaft sich selbst die Ruta 40 sehr angenehm fahren lässt!

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Zurück Richtung Eisamkeit und Wüste, als hätte ich davon in den letzten Wochen noch nicht genug gehabt.

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Doch auch hier werde ich mit tollen Landschaften belohnt.

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Mehr salzige Lagunen…

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Und alte Bekannte: Kurz vor der Grenze hole ich Ina…

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…und Mirko wieder ein. Hier auf unserem vorerst wohl letzten 4000m+ Pass.

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Nicht viel los hier…

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…ein „windgeschütztes“ Plätzchen

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Doch nach nur zwei Tagen trennen sich unsere Wege wieder kurzzeitig, da ich in Salta mein Fahrrad reparieren lassen muss.

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Salta la linda – die Schöne

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Und hier gibt es auch endlich wieder die langvermisste Vegetation. Bäume, Grass und ein wenig Regen. Der Duft von frischem Grün ist unbeschreiblich.

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Leider hält das ganze nicht lange an, in Richtung Süden wird es immer trockener, zuerst vorbei an unzähligen Weinplantagen

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Am Abend nach der Abfahrt aus Salta versuche ich mein Glück bei Ricardo und nachdem ich ihn frage, ob ich mein Zelt für die Nacht auf seinem Grundstück aufschlagen könne

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…werde ich zu einem köstlichen Abendessen und einer langen Nacht mit viel Rotwein eingeladen.

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Am nächsten Tag geht es nach dem Aufstehen (so gegen Mittag) noch nicht wieder aufs Rad, sondern in den Busch.

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Auf Vogeljagd.

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Mit Erfolg, das Abendessen ist gesichert.

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Nach der Durchquerung dieses schönen Canyons…

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…und ein wenig mehr Wein…

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sieht es einige Tage lang so aus: Sand, Staub und Tristez

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Gut das ich meine beiden Lieblingsossis werder treffen.

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Immerhin finden wir hin und wieder schöne Campingplätze, die leider auch von der örtlichen Dorfjugend für nächtliche Saufgelage missbraucht werden…

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Ansonsten sind diese Momente die HIghlights des Tages: Nach 50km gradeaus fahren, bei Gegenwind und 40 Grad, im Schatten einer Tankstelle eine kalte Cola trinken. Yeah!

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Nach einer gefühlten Ewigkeit, gibt es endlich mal ein kleinen Abzweig von der Ruta 40 und ein Stückchen bergauf

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„Mein“ erster Kondor“

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Durch „atembaraubende“ Landschaften

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Es gibt sogar einen Stausee

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Und ein wenig grün

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Nach einigen Stunde geht es aber durch die gewöhnte Einöde und Trockenheit weiter, Highlight dieses Tages ist dieser Weinhanchtsbaum

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Und eine Fahrt die sich bis in die späten Abendstunden hinzieht

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Da wir auf der Ruta 40 um einiges schneller vorankommen als gedacht und es nur noch knapp 150km bis nach Mendoza sind aber immer noch einige Tage bis Weihnachten, beschliessen wir 2 vorweihnachtliche Ruhetage in San Juan einzulegen. Den ersten „Ruhe“tag verbrigen wir jedoch damit, 5 Stunden lang nach einem Campingplatz zu suchen, zum Glück mit Happy End! Als Belohnung gibt es am Abend Pfannkuchen, die ich unter der strengen Aufsicht von M. zubereite.

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Nach zwei weiteren langweiligen Tagen ist es auch schon soweit: Heiligabend

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Der Weihnachtseinkauf muss erledigt werden…

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Danach geht es zum Apartment, das wir mit Scott, Campbell, Thomas, mir, Tina, Ina, Mirko, Sebastian, Vicky und Neil füllen.

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Jeden Tag wird der Tisch mit allerlei Köstlichkeiten gedeckt…

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…und danach bei gemütlichem Zusammensein das ein oder andere Glas Bier oder Wein getrunken. Das Apartment verlassen wir in den drei Tagen eigentlich nur um Getränkenachschub im Kiosk auf der anderen Straßenseite zu besorgen.

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Am 27. kochen Mirko, Ina und ich. Es gibt Gulasch, Semmelknöddel und Rotkohl, zum Nachtisch Mousse au Chocolate.

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hmmmmm lecker!!

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Ich bekomme unter anderem dieses wunderschöne Geschenk. Thanks Vicky & Neil for helping me out!

Nach den Feiertagen trennen sich unsere Wege, während der Großteil noch nicht genug hat von der Ruta 40 , fahre ich zusammen mit Ina und Mirko Richtung Santiago de Chile. Eigentlich wollte ich diesen Blog „Ein flotter Dreier“ nennen, doch davon sind wir als Reisetrio sehr weit entfernt. Nachdem wir am Standrand in einem Supermarkt unsere Einkäufe erledigen, nutzen wir den Sitzbereich für einen dreistündigen Mittagsschlaf und auch in den nächsten Tagen kommt unsere vorzeitige Abschiedstour eher gemächlich voran…

 

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Wir sagen Adios, Wein!

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Und hallo Berge!

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Das Ziel fest im Blick

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Und einen wunderschönen Stausee direkt vor der Nase

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Entschließen wir uns nicht nur eine Nacht hier zu verweilen.

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Sondern zwei! Der ganze Weihnachttrubel mit ungewohnt wenig Schlaf verlangt einen Ruhetag, bevor es über den alpinen Pass Los Libertadores nach Chile weitergehen kann.

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Wir lassen den See hinter uns.

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Und machen uns auf Richtung Berge, die Ruta 40 haben wir mitlerweile lange hinter uns gelassen.

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Ein weiter schöner Campingspot..

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Erste Blicke auf Schneebedeckte Berge.

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Im letzten Ort vor der Grenze gibt es die „Puente del Inca“ (Inkabrücke) zu bastaunen.

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Wir kommen unser Ziel langsam näher

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Doch auch an diesem Tag bleiben wir unseren (meinen?) Ansprüchen weit hinterher

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Müde, ausgelaugt, einfach völlig erschöpft und mit seinen Kräften am Ende muss Mirko die letzten Meter schieben

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Wir schlagen unsere Zelt unterhalb des Passes auf. Bei dem Ausblick

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..und in dieser Gesellschaft kann ich mich einfach nicht beklagen!

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Am nächsten Morgen ist die Stunde der Wahrheit gekommen.

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Mit Vollgass geht es den Pass hinauf

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Ein kurzer Blick zurück

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Kaloriennachschub mit Erdnussbutterbroten…

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….

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Wie immer sieht Mirko mich nur von hinten…

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Fast geschafft

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Chile! Hier an der Grenze rauchen wir eine letzte gemeinsame Zigarette, Chile (so unser Ziel) soll für uns alle rauchfrei bleiben.

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Auch die Abfahrt hat es in sich…

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über 50 Haarnadelkurven später…

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schlagen wir unser Silvestercamp an einem kleinen Fluss auf. Neben Bier und Wein aus dem Tetrapak basteln wir uns eine kleine Strohpuppe, die in kolumbianischer Tradition das alte Jahr verköpert. Auf kleinen Zettel schreiben wir die Dinge, die wir im altren Jahr lassen wollen.

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Und nachdem wir ausführlich darüber philosophiert haben und der Wein alle ist wird das alte Jahr um kurz vor Mitternacht..

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abgefackelt!

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Zwei weniger spannende Tage später finden wir uns in Pedro Luxus-Casa de Ciclista ein

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Wo wir unser vorläufiges Abschiedsessen zu uns nehmen: Sauerkraut, Roster und Kartoffeln.

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Die Nacht bricht ein über Santiago und am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege. Ich mache mich auf unbekanntes Gebiet zu erkunden, Ina und Mirko hingegeben fahren zum Bahnhof um sich ein Zugticket zu kaufen und eine „unerhebliche“ Strecke mit dem Zug zurückzulegen.

 

Bolivien: Ein Wüstentraum?

Nach einer sehr schönen Woche im Casa de Ciclista in La Paz war meine Motivation mich wieder auf mein Rad zu schwingen eher gering. Erstens wegen der neuen und alten Freunde und der netten Atmosphäre in der Casa und zweitens gräulte es mir vor dem 15km langen Anstieg hinaus aus der Stadt und den danach folgenden Vororten die hauptsächlich von räudigen Hunden bewohnt werden, die sich budelwohl zu fühlen scheinen zwischen Abwässern und Müll. Doch nach den ersten 50km zeigte sich das Bolivien, nach dem ich gesucht hatte. Die karge und trockene Landschaft des Altiplanos. Körperlich und mental die wohl härtesten drei Wochen meines Trips: Die Straßen bestanden fast ausschließlich aus tiefem Sand oder Wellblech, die Sonne verbrennt einem tagsüber die Haut, der Wind blässt mit bis zu 100km/h (meistens aus der falschen Richtung), nachts sinken die Temperturen auf -15 Grad, (verdrecktes) Wasser bekommt man nur alle paar Tage, Lebensmittel müssen für eine ganze Woche eingekauft werden und zu guter Letzt kommt die dünne Luft auf den Pässen die weit über 4000m hoch sind. Doch all die Anstrengungen bleiben nicht unbelohnt: Atemberaubenden Wüstenlandschaften, salzige Lagunen, schneebedeckte Vulkane und jede Menge Einsamkeit machen die Strapazen erträglich und Boliviens Westen zu einem einzigartigen Wüstenerlebnis.

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Ein Kurztrip in den Süden von La Paz blieb mein einziger Ausflug unter 3500m in 4 Wochen Bolivien

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Am Vormittag ist der Anstieg aus La Paz heraus bezwungen, Zeit für ein Abschiedsbild

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Am Nachmittag lasse ich den Dreck und den Asphalt hintermir und tauche ein in meinen Wüstentraum

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Von hier an gibt es nicht mehr viele Anzeichen menschlicher Zivilisation. Dieser Track fuhr sich aber sehr gut

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Ein wenig Abwechslung

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Weiter geht es Richtung Chile

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Der Verkehr hält sich in Grenzen.

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Willkommen in Chile!

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Nach dem ich die Grenze überquere mache ich Bekanntschaft mit einem ganz besonderem Ehepaar: Die Vulkane Parinacota & Pomerape

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Außerdem komme ich diesem Tier auf die Spur: Als ich es das erste Mal am Titicacasee gesehen habe, dachte ich noch es handele sich um ein überdimensioniertes Urzeiteichhörnchen, doch bei genauer Betrachtung sieht es aus wie ein Hase, bewegen tut es sich aber wie ein Känguru und der deutsche Name ist Hasenmaus

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Meine Zeit in Chile ist auf zwei Nächte begrenzt…

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Am zweiten Abend erreiche ich den Lago Chungará…

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Wo ich auf 4,600m mein bisher höchsten Camp aufschlage

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Die schlechte Versorgungslage, die Strapazen der sieben Tage in La Paz und das nicht wirklich saubere Wasser machen mir ein wenig zu schaffen…

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Und da ich nach der Rückkehr nach Bolivien den Plan hatte, den über 6000m hohen Vulkan Acotango zu besteigen, lege ich am See einen halben Ruhetag ein. Und so verbringe ich ein paar entspannte Stunden damit ein Dan Brown Hörbuch zu hören und den Lachvögeln zuzugucken.

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Am Nachmittag fahre ich hinüber nach Bolivien…

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und quatiere mich in Sajama, dem Dorf am Fuße des gleichnamigen Vulkanes, der mit 6542m der höchste Boliviens ist, ein.

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Platz für Fußballplätze gibt es im Altiplano genug, Leute die spielen aber eher nicht mehr

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Obwohl ich mich immer noch etwas angeschlagen fühle, fahre ich am nächsten Tag mit dem Ziel los, auf 5200m hinauf zu fahren und dort Basecamp zu machen. Der Tag wird zu einem der miserabelsten meines Lebens. Mein Rad ist verdammt schwer, da ich Essen für drei Tage und 10l Wasser dabei habe, das Schlimmste allerdings ist der Wind, der mir orkanartig vom Berg her entgegenkommt und der Weg, der nach 4800m extrem steil wird. Mount Everest feeling. Während ich mich in Gedanken dafür verfluch, zu stur dafür zu sein umzudrehen, komme ich mit 1-3km pro Stunde meinem Basecamp Ziel langsam näher. Ein 60kg schweres Rad auf über 5000m eine 25%Steigung hoch zu schieben ist echt scheiße. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit finde ich schließliche einen halbwegs windgeschützen Platz für mein Zelt (zumindest bin ich in dem Glauben). Währenddessen zeigt sich der Vulkan Sajama unbeeindruckt weiter von seiner schönsten Seite.

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Die Nacht ist eine ziemlich schlaflose. Erstens ist trotz aller Aklimatisierung die Luft auf 5200m einfach zu dünn für einen entspannten tiefen Schlaf, außerdem wird mein Zelt aus dem kolumbianischen Baumarkt von allen Seiten durchgeschüttelt und jede Windböe weht eine ordentliche Portion an feinen Sandkörnern durchs Fliegennetz. Nicht zu sprechen von den -20°, die ich trotz meines Hightechschlafsacks deutlich spüre. Trotzdem entscheide ich mich am nächsten Morgen, mehr aus Trotz als aus Motivation, den Versuch zu wagen. Dort oben will ich hin!

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Ich verstecke also mein Gepäck hinter dem Fels, der mir in der Nacht keinen Windschutz geboten hat und mache mich hoffnugsvoll mit meinem gepäcklosem Rad auf den Weg nach oben. Nach 200m, von denen ich 15m gefahren bin, lasse ich das Rad stehen und mache mich zu Fuß auf den Weg. Es geht dann auch relativ gut voran und nach einiger Zeit wähne ich mich schon fast auf Augenhöhe mit dem 6500m hohem Sajama..

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Doch auf 5767m ist Schluss. Es ist mitlerweile 11h und ich bin fix und fertig. Es hätte wahrscheinlich einen einfacheren Weg gegeben, aber aus Zeitdruck nehme ich eine auf dem ersten Blick coole Abkürzung, die mich aber an diesen steilen Hang aus losen Steinen bringt. Da ich inzwischen sehr müde bin, mir das ganze auch nicht ganz ungefährlich erscheint und der Rückweg auch nochmal einiges an Energie kostet, entscheide ich mich dafür umzudrehen.

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An meinem Basecamp angekommen mache ich zu allererst einen ausgedehnten Mittagsschlaf und stelle danach erstaunt fest, das eine der Wasserflaschen, die die Nacht über bei mir im Schlafsack war, im Laufe des Vormittags im Schatten des Felsbrocken zu einem soliden Eisblock gefrohren ist. Wieder „unten“(4200m) angekommen, gibt es noch ein schnelles Errinerungsfoto mit dem Sajama Vulkan

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Ich bin heilfroh, wieder auf dem Rad zu sitzen und den Vulkan Acotango hintermir gelassen zu haben. In der Nacht gibt es endlich wieder erholsamen Schlaf in einem kleinen Dorf am Rande dieser wunderschönen Lagune.

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Obwohl die Sonne ordentlich powert sind die wenigen kleinen Bäche, die es zu überqueren gilt, auch am Vormittag noch mit viel Eis bestückt.

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Den Vulkan Sajama lässt man so schnell nicht hintersich. Auf dem Weg zu Boliviens Salzseen bleibt er mein treuer Begleiter

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Supermond auf dem Altiplano.

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Am nächsten Morgen eine kleine Überaschung. Ich musste zwei Mal hingucken aber tatsächlich scheint es auch in Südamerika Straßezu geben. Nach ausführlicher Recherche stellt sich jedoch heraus, dass es sich um Nanduse handelt, die dem Strauß zwar ähneln, aber nicht mit ihm Verwandt sind.

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Auf dem Weg zum ersten Salar, dem Salar de Coipasa, fegt ein übler Sandsturm über mich hinweg.

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Im Dorf Coipasa angekommen beginnt grade die Geburtstagsfeier des Chefmediziners des örtlichen „Krankenhauses“. In Bolivien scheint es Tradition zu sein, das alle Gäste eines 30. Geburtstages solange Trinken müssen, bis sie von ihrem Stuhl kippen und in einen komatösen Schlaf übergehen. Am nächsten Mittag brauche ich ein wenig Zeit, mich zu orientieren, aber die Entscheidung, das Bett dem Rad vorzuziehen, fällt mir einfach.

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Als ich mich wieder in der Lage fühle, den Lenker grade zu halten, beginnt eine magische Reise über eine surreale Landschaft.

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Zuerst ist der Salar noch sehr solide, doch ab der MItte wird er deutlich weicher und das vorankommen wird zäh.

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Am nächsten Tag geht es durch die größte Salzwüste der Welt, dem Salar de Uyuni, desen Salzvorkommen auf 10 Milliarden Tonnen geschätzt wird

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Am Abend campe ich am Rande der Isla Incahuasi und genieße einen atemberaubendem Sonnenuntergang.

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Und den Sonnenaufgang am nächsten Morgen

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Aus Isla Incahuasi wachsen bis zu 1200 Jahre und meterhohe Säulenkakteen.

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Nach dem ich mich einige Tage im kleinen Touristenort Uyuni erhole, geht es danach immer an den Bahnschienen entlang

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Beziehungsweise drüber.

 

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Am südlichen Rand des Salar de Uyuni

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Oder über einen kleinen Salar

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Zur berühmten „Lagunas Route“. Berühmt berüchtigt bei Radreisenden für extrem schlechte Straßenverhältnisse, kaum vorhandene Versorgungsmöglichkeiten für bis zu 7 Tage, extreme Wetterbedingungen mit nächtlichen Temperaturen von bis zu -20° und starken Südwinden sowie einigen Pässen weitüber 4000m

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Während es am morgen noch sehr friedlich wirkt, verlangt mir die Tagesstrecke körperlich Höchstleistung ab. Keine Energie für Fotos.

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Auf der abendlichen Suche nach einem windgeschützen Zeltplatz, bekomme ich Besuch von einem weiteren Altiplano-Besucher. Dieser Fuchs ist ungewöhlich neugierig, was höchstwahrscheinlich daran liegt, dass er von den Jeep-Touristen, von denen ich über den Tag hinweg erstaunte Blicke zugeworfen bekomme, gefüttert wird

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Tatsächlich finde ich ein schönes Plätzchen an der Laguna Hedionda, der nördlichsten der Lagunas.

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Pelikane ernähren sich hier von Plankton…

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Und als es schon fast dunkel ist und ich grade darüber nachdenke, dass ich die letzten Wochen in relativer Einsamkeit verbracht hätte und ein compañer@ eine willkommende Abwechslung wäre, bekomme ich tatsächlich noch Besuch

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Vom nimmermüden Scott, den ich schon vor vielen Monaten in Kolumbien kennengelernt habe und in La Paz wiedergetroffen habe.

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Am nächsten Morgen geht es also zu zweit weiter…

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… an einigen schönen Lagunen vorbei, versuche ich mit Scotts Tempo mitzuhalten…

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Es geht abwechselnd durch tiefen Sand oder nerviges Wellblech.

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Am Abend hole ich Scott wieder ein und zusammen mit einem Franzosen, der aufgrund großer Erschöpfung wenig gesprächig ist, campen wir in dieser Ruine am Wegesrand, die uns gut vor dem Wind schützt.

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Am nächsten Morgen geht es in Richtung Laguna Colorada, hier ein Bild von Scotts Bikepacking Setup. Er kommt ohne Gepäckträger aus, was bei den hiesigen Wind und Straßenverhältnissen von großem Vorteil ist.

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Den „Weg“ muss man sich in diesem Teil der Erde meistens erdenken.

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Nachdem ich zwei meiner Schläuche am Parkeingang geflickt habe…

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…geht es hinunter zur Laguna Colorada.

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Am gleichen Abend komme ich nach meinem wohl anstregenstem Tag meines Lebens kurz vor der Dunkelheit an einer Laguna an, an der es unter anderem ein Thermalbad und ein Restaurant gibt, in denen Radfahrer kostenlos auf dem Boden übernachten dürfen. Überaschenderweise sind schon fünf Radfahrer vor Ort, Scott kommt sogar erst nach mir an (weil er noch eine kleine extra Runde gedreht hat). Hier ein Bild eines Vicuñas, die mit den Lamas verwandt sind und es irgendwie schaffen, hier draußen genügend Wasser und Futter zu finden.

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Nach drei sehr anstrengenden Tagen lasse ich Scott davonziehen und fahre mit den fünf anderen weiter

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Tiefer Sand oder Wellblech?

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Die unglaubliche Landschaft tröstet über die körperlichen Anstrengungen hinweg..

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Am letzten Tag Lagunas Route geht es im gemütlichem Tempo zum Vulkan Licancabur

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An dessen Fuße die Laguna Verde liegt. Nach einem halben Tag kehren wir ins nahegelegende Refugio ein und erkaufen uns nach harten Verhandlungen das 6-Bett-Zimmer. Bei Sturmböhen von bis zu 90kmh sind wir alle froh,nicht draußen schlafen zu müssen.

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Am nächsten Morgen hält Bolivien einen letzten 4800m Pass für uns bereit, nach dem wir den Grenzposten problemlos passiert haben geht es hinuter nach San Pedro de Atacama, der kleinen Tourioase im Norden Chiles, wo wir uns ein kleines vierer Zimmer mieten und uns ein paar Tage bei herrlichem Wetter, leckeren Hamburgern und kalten Bier von den Strapazen unseren bolivianischen Wüstenabenteuers erholen

Der Titicacasee und Boliven durch die Hintertür

Nach ein paar sehr entspannten Tagenim Radfahrerhostal La Estrellita in Cusco ging es mit den beiden Ossis Ina und Mirko in Richtung Titicacasee und Bolivien. Meine nette Begleitung ließ ich nach 3 Tagen imn Rückspiegel zurück, um mir einen vorzeitigen Ausreisestempel zu besorgen um dann das „ruhige“ Ost- bzw Nordufer des Sees zu beradeln. Wie sich herausstellte war das eine exzelente Idee, denn so verbrachte ich 4 sehr verkehrsarme Tage und vier wundervolle Nächte direkt am See!

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Am vierten Tag erreiche ich den See bei perfektem Sommerwetter.

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Die Trockenheit und der damit verbundene niedrige Wasserspiegel hat auch einen Vorteil: Mehr Platz zum Kicken 

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Am Nachmittag fahre ich immer am Ufer entlang auf der Suche nach einem Campingplat mit Seeblick…

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Zum Glück sind auch die Nachfahren der Inkas noch fleißige Terassenbauer!

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Mittagessen am See

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Wahlwerbung in Peru Teil 67: Die Gockel-Partei

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Moho, eine der wenigen größeren Orte am Nordufer.

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Am späten Nachmittag entwickelt sich ein ziemliches heftiges Gewitter über dem See, ich schaffe es grade noch rechtzeitig mein Zelt aufzuschlagen und genieße den Anblick der Blitze, die im Sekundentakt in den See einschlagen, bis das Gewitter schließlich das Festland erreicht und ich mich in meinen mittelstabilen Zelt einschließe und mich auf eine unruhige Nacht vobereite.

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Am Morgen werde ich von diesen Vögeln geweckt…

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Bei strahlendem Himmel verlasse ich das Zelt. Das Gewitter hatte schon an Stärke verloren und mein Zelt gut standgehalten

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Weiter geht es bei traumhaften Frühlingswetter

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Ich fange an von einem kleinen Bad im See zu träumen, doch nachdem ich meine Füße ins 10 Grad warme (oder kalte?) Wasser halte überlege ich es mir anders…

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Am Vormittag nähere ich mich der peruanisch-bolivianischen Grenze…

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Ein letzter Blick zurück nach Peru

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Zu dem wohl schönsten Grenzübergang der Welt! Keine Grenzposten, keine Uniformierten, keine nervigen Passkontrollen, dafür ein paar verlassene Hütten und die wunderschönen Farben des Lago Titicaca.

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Auf der bolivianischen Seite eine kleine Bucht mit schönem Sandstrand..

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Nach 20km Niemandsland regele ich die Einreise nach Bolivien und mache mich auf die tägliche  Suche nach einem Campingplatz am See…

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Während die Tiere nach Hause gezogen werden….

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genieße ich den Sonnenuntergang

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Die Titicaca-Gegend wird sehr stark bewirtschaftet, hauptsächlich werden hier Kartoffeln angebaut (die Kartoffel stammt ursprünglich aus dieser Region).

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Heute: See- und Bergblick

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Meine letzte Nacht am See ist auch gleichzeitig die schönste

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Und die bisher kälteste….

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Meine erste Nacht mit Frost

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Am Morgen beschließe ich, nicht auf direktem Wege nach La Paz zu fahren sondern weiter am See entlang zu radeln…

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Ich werde belohnt mit wunderschönen Panorama

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Ein krasser Gegensatz zu den letzten Tagen ist die 3stündige Einfahrt nach La Paz, die mich sehr viel Nerven kostet…

Bis ich schliesslich im Casa de Ciclista im Herzen La Paz ankomme. Ein kleines Apartment vollgestopft mit 10 Radreisenden, ein wenig schäbig aber sehr herzlich und mit einem mürrischen Hausherren… Mein geplanter Kurzaufenthalt zieht sich durch die coole Gesellschaft und einiger durchgemachter Nächte ein wenig in die Länge… (Bild © mina.rtwblog.de)

 

Machu Picchu durch die Hintertür

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Nach den Gewitter und Hagel Erfahrungen der letzten Tage entschloss ich mich dazu, mich erstmal von den abgelegenden und vor allem hochgelegenden Straßen fernzuhalten und mir einen einfacheren Weg Richtung Cusco und Machu Picchu zu suchen. Am Ruhetag in La Oroya denke ich sogar über alternative Transportmittel nach, da es von dort nur auf der Hauptstraße weiter geht, was bei dem peruanischen Fahrstil lebensgefährlich ist und zu dem ein hohes Agressionspotenzial hat. Ich entscheide mich schlussendlich dazu erstmal los zu fahren und dann eventuell mit dem Rad zumindest bis nach Huancayo, dort wo es wieder Alternativen zum Asphalt gibt, zu trampen. Am Morgen treffe ich jedoch einen polnischen Radfahrer, der in die gleiche Richtung unterwegs ist und so fahren wir den ganzen Tag lang zusammen und kommen auch beide und Verletzungen davon. Auch in den anderen Ländern gibt es schlechte Fahrer, aber Peru ist bei der Quantität derer, die sich für unsterblich halten und denen das Leben der anderen Verkehrsteilnehmer (besonders Fahrradfahrern) am Arsch vorbeigeht…

Ein Überholmanöver sieht in Peru folgendermaßen aus: 15 Sekunden vorher wird angefangen wie wild auf die Hupe zu trommlen; wer dann noch auf der Straße ist hat selbst Schuld totgefahren zu werden. Nach dem das Fahrzeug vorbei gefahren ist werden noch ein paar Gruß- bzw Dankeshuper an den Radfahrer abgegeben, der zwischenzeitlich in dem Graben, in den er ausweichen musste, ein paar Steine  gesammelt hat und diese mit Wut verzehrtem Gesicht dem Auto/Bus/ LKW hinterher wirft, was jedoch bei der Geschwindigkeit der Fahrzeuge hoffnungslos ist.

So fiel mir die Entscheidung nach einem Tag wieder auf die Sekundärstraßen auszuweichen relativ einfach. Ich hätte jedoch die Karten besser studieren soll; so ging es ohne es zu wissen wieder hinein ins Silencio…

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Vom ersten Tag gibt es ganz genau ein Foto: Seit dem ich schon längere Zeit keine Radfahrer mehr getroffen habe sind es gleich vier an einem Tag.

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Nach der Hauptstraßen-Hölle des Vortages geht es aus Huancayo hinaus auf Schotterstraßen über den ersten kleinen Pass.

 

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Cumulus mit Heiligenschein

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Es geht hoch hinaus und nach einigen Kilometern bestätigt sich meine Vorahnung…

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Noch sind ein paar Löcher in den Wolken und Häuser in der Entfernung zu sehen…

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Doch dann kommt es wie es kommen musste: El Silencio! Regen und Hagel und Blitze die ein bisschen zu seh in meiner Nähe einschlagen…

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Am späten Nachmittag heißt meine Rettung Chonta: In diesem kleinen Ort gibt es ein kleines Restaurant, in dem ich sehr gut von Luz versorgt werde.

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Für die Unterhaltung sorgen die Fahrer (aka Asesinos), die um einiges erträglicher sind wenn sie nicht hinterm Steuer sitzen

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Ein letzter Blick auf Chont, danach geht es über einen kleinen 4000m Pass

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Und hinein ins warme Tal

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Wo ich am Vormittag diese Spezialisten kennenlerne, die mich zu ein paar Bier einladen…Eigentlich wollte ich nur einen Schluck nehmen, am Ende bleibe ich ein paar Stunden und fahre um 15h leicht engetrunken weiter

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Es ist trocken und warm… In Huanta entscheide ich mich, nicht direkt nach Cusco zu fahren, sondern eine Schleife durch den Amazonas zu fahren um Machu Picchu durch die Hintertür zu erreichen…

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Bevor es jedoch runter geht in den Deschungel, will ein letzter 4000m-Pass bezwungen werden.

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Als ich am Nachmittag in Tambo ankomme, komme ich bei einem Richtfest eines neuen Hauses an und werde spontan zum padrino (Paten) erklärt. Nach dem ich mein Rad sicher verstaut habe und eine Unterkunft gefunden habe, klettere ich aufs Dach, köpfe Keine Flasche Sekt und halte ein kleine Rede. Außerdem muss ich als Pate einen Kasten Bier ausgeben…

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Nach einer durchgezechten Nacht  und zwei weiteren kleinen Pässen geht es endlich hinab in den Urwald.

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Durch die Wolkendecke hindurch

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Hier bauen die Vögel hängende Nester

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Nach einigen Wochen in kalten Höhenlagen komme ich hier auf ca.500m ziemlich ins Schwitzen

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Bei 30º radelt es sich doch gleich viel leichter

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Doch auch hier ist es natürlich nicht flach: Am späten Nachmittag wartet ein 1800m Anstieg… Ich finde Unterschlupf auf dieser kleinen Kokafarm mit wunderschönem Ausblick

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Kokapflanzen, im Hintergrund das Häuschen, indem ich die Nacht zu vor gecampt habe. Ich bin überaus glücklich, dass ich nicht davor gecampt habe, denn in der Nacht war Weltuntergangsstimmung:Ein heftiges Gewitter ist über mich gezogen.

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Wo gestern noch ein sehr guter Weg war ist heute Schlamm, Baumstämme und ein kleiner Bach…

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Doch meine ersten Befürchtungen, dass ich feststecke, bewahrheiten sich nicht…

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Zwar gibt es alle paar hundert Meter Erdrutsche

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Doch ich komme mit meinem Rad überall durch

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An der Spitze befindet sich eine Polizeistation, an der ich zum ersten Mal sehr gründlich kontrolliert wurde. Dass Gebiet in dem ich unterwegs bin ist nicht nur das Hauptanbaugebiet von Koka (legal), sondern war/ist auch ein Rückzugsort des Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad, peruanische Guerillaorganisation) und der peruanischen Drogenkartelle, die im Schutz des Deschungels Kokain-Labore unterhalten. Ich rede ein bisschen mit den Polizisten, die mir erzählen, dass sie zwar immer noch regelmäßig Kokainschmuggler hochnehmen, es ansonsten aber relativ ruhig ist (trotzdem gilt hier immer noch der Ausnahmezustand und der Verkehr auf dieser Straße ist nachts verboten).Noch vor 3 Jahren gab es hier praktisch gar keinen Verkehr, da es regelmäßig zu Schießerein zwischen Sicherheitskräften und Guerillas bzw den Kartellen gab.

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Auch heute gibt es kein Verkehr, da das gestrige Unwetter das passieren für alle Fahrzeuge mit mehr als zwei Rädern unmöglich gemacht hat.Selbst die neuen 4×4 fahren heute nirgendwo hin

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Perfektes Wetter auf dem Weg nach Quillabamba

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Peruanische Wahlwerbung: Diese Partei hat eine Kartoffel als Logo gewählt..

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Nach Quillabamba biege ich von der Hauptstraße ab und fahre durch diese wunderschöne Schlucht hinauf nach Santa Teresa, dem letzten Dorf vor Machu Picchu

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Das Fahrrad lasse ich in Santa Teresa, es geht am nächsten Morgen entlang der Bahnlinie zu Fuß weiter

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Sneak Preview auf Machu Picchu

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Nach einer Nacht in Aguas Calientes (aka Machu Picchu Pueblo aka Disney Land) geht es am nächsten Morgen um 4:30h zu Fuß auf den Berg hinauf. Im Dorf hatte ich zu dieser frühen Stunde schon eine 200 Menschen Schlange gebildet, die auf den ersten Bus hinauf warteten…

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Ich mache mich also schnellen Fußes auf den Weg, ca 100 Leute überqueren um kurz vor 5h die Passkontrole und laufen hinauf.MIt meiner Radfahrer Kondition kann natürlich keiner mithalten und so komme ich als erstes (gleichzeitig mit dem ersten Bus) am Eingang an. Um 6h startet der Einlass und mitlerweile hat sich eine beachtliche Schlange gebildet.

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Als einer der ersten betrete ich Machu Picchu und kann es so einige Momente lang in Ruhe genießen

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wow

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ein paar fotos später…

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Ist es vorbei mit der Einsamkeit. Schon um 8h morgens ist es eigentlich nicht mehr auszuhalten, so viele Menschen drängen sich durch die Ruinen

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Aber man findet auch ruhige Plätzchen

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Ich hänge mich an eine Tourgruppe an und lausche dem Guide, der viel interessantes über Machu Picchu und die Inkas zu erzählen hat..

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Danach genieße ich noch ein wenig die Aussicht, während ich mein mitgebrachtes Mittagessen esse.

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Danach geht es zu Fuß zurück nach Santa Teresa und von dort weiter mit Rad nach Cusco, der ehemaligen Hauptstadt des Inkareiches…

El Silencio

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Im Schneesturm am 4961m Pass

El Silencio – die Stille. So bezeichnen die Peruaner die hochgelegenden Gebiete in den Anden, in denen es kaum Ortschaften und Dörfer gibt, jedoch ein sehr gutes Netz von alten und neuen Schotterstraßen, die meist entlegende Orte mit noch entlegenderen Minen verbinden – ein großer Radfahrparadies, auf dem man allerhöchsten mal ein paar Lamas oder deren Andenbrüdern (Schafen) begegnet und ansonsten absolute Stille und Einsamkeit herrscht. Ein krasser Gegensatz zum lauten Rest von Peru, weshalb die meisten Peruaner auch Angst oder zumindest großen Respekt vor El Silencio haben. Für mich genau das richtige nach zwei wohlverdienten Resttagen im Drecksloch names Huaraz. Mit der Streckenbeschreibung der Pikes on Bikes   ist das ganze quasi als Kinderspiel zu bezeichnen – wären da nicht elf 4000m Pässe und das unberechenbare Wetter zu Beginn der Regenzeit in Peru. Besonderes letzteres machte mir ein wenig zu schaffen und brachte mich an meine körperlichen und psychischen Grenzen – so dass ich nach 10 Tagen heilfroh war als ich in die Zivilisation zurückkehrte – ohne einen Finger oder Zeh an die Kälte verloren zu haben und mit kräftigem Hunger nach leckerem Schokoladenkuchen.

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Unschuldig genug geht es los. Am ersten Tag ca. 90km entlang der Hauptstraße von Huaraz nach Conococha, wo es auf über 4000m schon ein wenig kalt wird abends und ich von ein netten Familie, der ich auf der Suche nach einem Zeltplatz begegne, ins Haus gebeten werde und mit einem kuschelig warmen Bett verwöhnt werde.

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Am nächsten Morgen verabschiede ich mich vom Asphalt und biege auf die Dirtroad – und habe einen letzten Blick auf die Cordillera Blanca

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Danach geht es ein wenig auf und ab tief hinein ins trockene Silencio

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Vorbei an ein paar trostlosen und ausgestorbenen Orten

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und der obligatorischen Kirche am Wegesrand

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Mehr als einmal denke ich mir in Peru: Hier möchte ich nicht wohnen. Der Großteil der Dörfer im ländlichen Perus sind sehr arm, trocken, heruntergekommen und trostlos.

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Bevor es richtig in die Berge geht, geht es in typisch peruanischer Manier über eine Vielzahl von Haarnadelkurven hinuter ins Tal.

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Wo ich am Abend bei den Bauarbeitern Unterschlupf finde.

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Gut ausgeruht folgt am nächsten Morgen einer der längsten Anstiege. In den nächsten beiden Tagen geht es von 1350m hinauf auf über 4700m

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Der Tag verläuft relativ unspektakulär, ich schwitze und leiste harte Arbeit auf dem Weg nach oben. Am späten Nachmittag komme ich in Cajatambo an. Dort lasse ich sowohl die Feder in meinem Sattel (die am morgen ohne Vorwarnung durchgebrohen ist) als auch meinen Rahmen schweißen. Am Mittag traf ich zwei Radfahrer, die in die andere Richtung unterwegs waren und bei der Bewunderung meines Rades feststellten, dass sich ein mittelgroßer Riss an einer strategisch sehr wichtigen Stelle gebildet hat. Noch mal Glück gehabt.

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Am nächsten Tag fühle ich mich schon am morgen ein wenig schwach, fahre aber trotzdem weiter. Immerhin habe ich gestern schon 2000m der 3000m Anstieg gefahren. Ich schaffe es auch tatsächlich zum Pass, aber das mit letzter Kraft. Ich musste schon alle 15min eine Pause einlegen und nachdem sich am frühen Nachmittag der Himmel verdunkelt und mich noch ein weiterer Pass vor einem warmen Bett in Oyon trennt, nutzte ich die Chance und überrede den Fahrer des zweiten Autos, welches ich am ganzen Tag sehe, mich die letzten 30km mitzunehmen.

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In Oyon brauche ich dann erst mal zwei Ruhetage, um wieder du kräften zu kommen…

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Danach geht es an Minen vorbei…

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… und schlussendlich befinde ich mich im Silencio. Komplette Stille und Einsamkeit auf nicht endenden Anstiegen

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Im Schneesturm erreiche ich den ersten hohen Pass, 4961m

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Der Schnee wandelt sich zu Hagel, ich ziehe mich warm an

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und fahre an der Mine Rapaz vorbei.

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Ziemlich hässlich

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Auf der Abfahrt zeigt sich noch einmal kurz der blaue Himmel

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Danach beginnt es jedoch wieder zu regnen an

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Am späten Nachmittag erreiche ich Huancahuasi, wo ich mich zwei Stunden in den Thermalbädern von den Strapatzen und vorallem der Kälte erhole

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Nach dem ich dieses kleine Dörfchen mit der wohl steilsten Straße Perus durchquere wird es brutal

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Der Weg hinauf zum Punto Chucopampa ist sehr steil und anstregend

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Doch das Wetter ist gut und die Stille auf über 4800m vollkommen

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Die Anstregung lohnt sich

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Belohnt werde ich mit einer sehr huckeligen und langsamen Abfahrt

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Die einzigen Lebewesen, die ich in den letzten Stunden zu Gesicht bekommen habe

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Ich entscheide mich hinuter bis nach Vichaycocha zu fahren…

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Wo ich in den „Genuss“ komme, den jährlichen Stiekampf zu bewundern. Komische Tradition

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Wie immer am Morgen: Strahlend blauer Himmel

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auf dem Weg zur Laguna Chungar

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Schön

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Ich freue mich den ganzen Tag über einen Keks, weil es überall um mich herum zu regnen/schneien/hageln/gewittern scheint, nur dort wo ich mich aufhalte..

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bleibt es trocken. Ich bin so ein Glückspilz!

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Denke ich bis ca. 15h. Dann trifft es mich und zwar sehr hart. Der Hagel peitscht mir ins Gesicht und um mich herum schlagen die Blitze ein.

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Ich habe so viel Bammel vor den Blitzen, dass ich die Kälte noch nicht richtig spüre. Als sich das Gewitter entfernt spüre ich jedoch sehr deutlich, dass meine Finger und Zehen dabei sind abzufrieren.

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Nachdem ich die halbe Nacht damit beschäftigt bin meine Zehen auf zu tauen entscheide ich mich dazu, den zweiten Teil der Strecke auszulassen und die Exitroute nach La Oroya zu nehmen. Am Morgen sehe ich Flamingos…

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… und die Andengeschwister: Lamas und Schafe

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An einem relativ flachen Tag genieße ich den vorerst letzten Tag Silencio

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entlang dieses wunderschönen Flusses gelange ich nach La Oroya. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal so über einen hässlichen Durchfahrtsort freuen würde. Aber es gibt ein warmes Bett, heiße Dusche und Schokokuchen!

La Cordillera Blanca

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La Cordillera Blanca – die Weiße Kordillera – ist mit einer Länge von 180km und 16 Bergen über 6000m die höchste Gebirgskette des Amerikanischen Kontinents und war auf meiner Tour sicherlich die bisher spektakulärste Kulisse…

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Eigentlich hatte ich den Plan in Caraz einen Ruhetag einzulegen, aber mit dem Ausblick auf die schneebedeckten Gipfel konnte ich meine Füße nicht stillhalten. Also entschied ich mich für einen Overnighttrip zur Laguna Paron. Durch dieses Canyon ging es mit halb beladenem Rad hinauf auf 4200m…

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Nach ein paar anstregenden Stunden komme ich an der Laguna an – und kann kaum glauben was ich sehe….

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Eine kleine Runde um die Laguna…

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Danach klettere ich ein wenig auf der nahegelegenden Gerölllawine herum

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ESPECTACULAR

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und genieße den Ausblick

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Unten an der Laguna treffe ich zwei deutsche Rentner, die mit ihrem Luxusgefährt durch Südamerika touren. Am Abend laden sie mich in ihre gemütliche Stube ein und versorgen mich mit köstlichem Essen

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Am nächsten morgen machen sie sich aber sehr schnell auf den Weg nach unten, da sie beide Höhenkrank geworden sind und eine schmerzvolle Nacht hinter sich haben

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Auch ich schlafe in der Nacht etwas unruhig, das ein heftiges Gewitter über uns zieht.

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Am nächsten Morgen sieht es wieder sehr freundlich aus

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Zeit für eine kleine Wanderung um die Laguna..

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Nach etwa zwei Stunden erreiche ich diese kleine Laguna

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Leider ist es ein meistens bewölkt…

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Doch ab und zu kommt die Sonne raus, und so vergeht ein herllicher Vormittag mit den weißen Riesen Perus

Am Nachmittag geht es zurück nach Caraz, wo ich die beiden Ossis Johannes und Ole wieder treffe. Wir verbringen ein paar Stunden damit unserer Kalorienspeicher zu füllen (mit Schokoladenkuchen natürlich), danach plane ich meine weitere Route durch die Cordillera und entscheide mich dafür, den Huarascan-Loop zu fahren.

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Dieses Bild ist einige Tage zuvor entstanden, in der Nähe von Cajabamba.

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Am nächsten Morgen geht es einige Kilometer an der Hauptstraße entlang nach Yungay. Von hier aus geht es auf Schotterwegen hoch zum ersten Pass des Huarascan-Loops, dem Punto Llanganuco. Hier ein Ausblick auf das Denkmal für die Erdbebenopfer von 1970, welches die Stadt komplett zerstörte und alleine hier ca. 20,000 Todesopfer forderte

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Unter wachsamen Augen geht es wieder in Richtung 4000m

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Leider ist es fast den kompletten Nachmittag bewölkt. Ich campe am Rande der Lagune

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Und laufe am nächsten Tag hinauf zur Laguna 69, 4600m

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Ich habe die Laguna fast für mich alleine

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Und genieße nach einem anstrengendem Aufstieg die Farben

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Nach an einem deftigem Mittagessen an der Lagune steht am Nachmittag ein schweres Stück arbeitet vor mir..

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Es geht hinauf zum Punto Llanganuco, hier der Blick nach unten

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Kurz bevor ich den Pass erreiche kommt auch endlich die Sonne heraus und wirft die Cordillera im Hintergrund und den mühesamen Weg hinauf in ein wunderbares Licht

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Oben angekommen ist es Zeit für ein 4,711m-Pass-Bezwinger-Selfie

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Am nächsten Tag geht es vorbei an vielen kleinen Schweinchen und einem kleinen 4000m Pass nach Chacas

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Chacas hat neben diesem wunderschönen Platz auch eine große italienische Mission, die mich für die Nacht mit einem Schlafplatz und einem leckeren Abendessen beglücken.

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Früh gehts los Richtung Punto Olympica. Hier das Nationalsymbol Perus, der Hinweis auf eine Haarnadelkurve

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Auf 4,735m ist es vorbei mit dem Asphalt. Die neue Straße führt durch den höchstgelegenden Tunnel der Welt, die alte Straße führt an dieser Laguna vorbei

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Es sind zwar nur noch wenige hundert Meter, trotzdem lege ich eine kleine Fotopause ein. Du Luft hier ist schon deutlich dünner…

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4,890m über dem Meeresspiegel (mit einem 50kg schwerem Fahrrad)

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Das schreit nach einer Belohnung. Nachdem ich einen keinen Schneemann gebaut habe gibt es Papaya, Schokokuchen und Inkacola

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Noch bin ich auf Augenhöhe mit den Gletschern

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Und schon folgt die zweite Belohnung: Eine endlose Abfahrt hinab ins Tal

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Die frühzeitig mit einem geplatzten Schlauch und kaputtem Ventil endet. Da ich kein Ersatzschlauch dabei habe…

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… warte ich auf den nächsten LKW, der mich die letzten Kilometer bis nach Huaraz mitnimmt. Ein ruckliger Abschied einer überaus schönen Woche in der Cordillera Blanca

Perú: Land der Haarnadelkurven

16 Tage // 1170km // 32,000 Höhenmeter

 

Kurz gesagt: Peru macht richtig Spaß! Das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum ich sooooo lange nichts gepostet habe. Deswegen werden hier auf die schnelle meine ersten Wochen in diesem riesigen Land zusammen gefasst.

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grenze – cajamarca

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Nachdem ich am Vormittag die Grenze überquert hatte, kam ich am späten Nachmittag in San Ignacio an. Als ich anhalte um die Aussicht zu genießen…

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Werde ich von diesen beiden Señores in Peru willkommen geheißen. Gouverneur Walmar und sein Freund (Philosoph) luden mich zum Bier trinken ein. Nach einigen Stunden auf dem Hügel über dem Dorf beschlossen wir hinuter zu fahren, Walmar hatte mich zwischenzeitlich schon zu sich nach Hause eingeladen. Doch bevor es nach Hause ging fuhren wir noch ein paar andere Läden für ein paar weitere Bierchen an. Während Walmar große Partypläne schmiedete, war für den Philosoph schon früh Feierabend: Auf dem Weg hinuter ins Dorf schläft er auf dem Beifahrersitz ein und ist auch nicht wieder wach zukriegen. Walmar stellt mich unterdessen weiteren Leuten vor und nach ein paar Stunden fahren wir schließlich zu ihm nach Hause. Mit etwas Gewalt bekommen wir den Philosophen wieder wach, Walmar kümmert sich um ihn während ich mich umziehe und fertig mache für die große Sause. Als ich nach 10min fertig bin kommt es jedoch anders als gedacht. Obermacho Walmar wartet schon mit meinem Fahrrad und all meinen Sachen auf der Straße. Seine Frau war überhaupt nicht happy über den betrunkenen Philosophen und den Fahrradfahrer in ihrem Haus und hat ihrem Mann einen ordentlichen Einlauf verpasst. Der wartete nun mit eingezogenem Schwanz und ziemlich kleinlaut auf mich und hatte es plötzlich sehr eilig mich in einem Hotel unterzubringen…

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Am nächsten Morgen ging es mit leichten Kopfschmerzen weiter. Dieses Schild ist eine riesen Übertreibung, hier sind die Anstiege um einiges humaner als in Ecuador.

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Am Vormittag nutze ich gegen meine Prinzipien öffentliche Verkehrsmittel, aber naja, irgendwie muss der Fluss ja überquert werden

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Es ist wie schon in den letzten Tagen in Ecuador richtig schön heiß und ich komme gut vorran durch die Reisschüssel Perús.

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In der Nacht campe ich bei dieser netten Familie..

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Die natürlich auch Reis anbauen und einiges und Federvieh hinterm Haus halten…

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Am Morgen helfe ich noch dabei die Enten zu füttern.

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Dann gehts weiter auf perfekten Asphalt und durchs heiße Tal

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Haupttransportmittel in Perú: Mototaxis

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Papayas wachsen hier wie Sand am Meer.

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Einem heißen Tag und einem Kühlen Bad im Fluss folgt eine weitere Einladung. Leckeres Essen, ein paar Bierchen und ein gemütliches Sofa. Gracias Mercedes!

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Der Fluss hat nach starkem Regen in der Nacht ein bisschen an Farbe und Geschwindigkeit dazu gewonnen

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Für zwei Tage verlasse ich das Canyon und mache mich auf die Suche nach Gocta

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MIt einem freien Fall von 540m ist er der drittgrößte Wasserfall der Welt.

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Markttag..

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Die vorerst letzten Kilometer durchs Hitzetal.

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Bringen mich ins deutlich kühlere Leymebamba, wo ich hoffe mein (fast) leeres Portemonnaie mit frischen Scheinen aus einem Geldautomaten zu füllen. Leider vergebens.

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Als ich grade dabei bin einen Plan aufzustellen, wie ich mit meinen verbleiben 8 Soles (2 Euro) das 3 Tage entfernte Cajamarca erreiche, treffe ich den „Profe“, der mir ein bisschen aus der Patsche hilf und mich zum Essen einläd und meine Taschen mit 5 Soles füllt. Davon kaufe ich mir ein Kilo Reis, Haferflocken und Bananen.

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Danach geht es Richtung 3700m Pass Calla Calla…

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Dieses Dörfchen ist komplett mit Solaranlagen ausgestattet.

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Nach Calla Calla geht es bergab. UND WIE! 60km bringen mich von 3700m hinunter auf 800m…

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Hinunter ins Mango-Tal Las Balsas.

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Wo ich am Abend in der örtlichen Polizeistation Unterschlupf finde, aber auf Grund von sehr stickiger Hitze wenig Schlafe. Am nächsten Morgen geht es um kurz vor 6h weiter, wie man sich denken kann geht es nach der langen Abfahrt heute bergauf…

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….

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Da glüht das Herz eines jeden Radfahrers…

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Nach drei Tagen erreiche ich schliesslich Cajamarca (und einen Geldautomaten!)

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Das frische Geld wird direkt in auf dem Markt investiert

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lecker Fisch

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Die Straßen Cajamarcas…

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und die Plätze gefallen mir echt gut, also beschliesse ich erst mal einen Tag Pause zu machen.

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Der Tag nach Cajamarca ist recht entspannt, denn es geht vor allem bergab

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Am Vormittag treffe ich die beiden Görlitzer Johannes & Ole (foto folgt), wir fahren den Tag lang zusammen und werden am Abend von einer netten Familie eingeladen. Wir campen indoor und werden mit einem leckeren Abendessen und Frühstück verwöhnt. Am nächsten Morgen begutachte ich den Stolz der Familie – den Meerschweinchenstall.

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Nach 20 flachen Kilometern geht es ein paar Kilometer bergauf, was bedeutet das ich die Schnecke (Johanna) und die Schildkröte (Ole) hintermir zurück lasse. In Cajabamba gibt es eine interessante Hutmode.

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Wahlwerbung in Peru – hier macht Politik noch Spaß. Das Logo der örtlichen Partei ist der unverwechselbare Hut.

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Ob sich die Einwohner bewusst sind in was für einem Ort sie leben?

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Am Abend komme ich in Huamachuco an, berühmt für die Baumfiguren im zentralen Platz

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Die Nacht verbringe ich in diesem von Nonnen geführten Altersheim. Ein eigenes Zimmer, warme Dusche, Wifi und ein leckeres Abendessen – besser als Hotel und ganz umsonst.

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Am nächsten Morgen verlasse ich endlich die geteerte Straße – es geht durch Minenland.

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In den nächsten Tagen folgt ein ewiges auf und ab auf guten Schotterwegen durch kleine Dörfer.

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Als ich in einem kleinen Dorf im Restaurant von Doña Rosita nach Wasser frage, werde ich von selbiger zu einer großen Portion Ceviche (Nationalgericht Perus) eingeladen und dazu überredet die Nacht dort zu bleiben. Etwas außerhalb befinden sich exellente Thermalbäder, in denen ich den Nachmittag über entspannte. Als ich am nächsten Morgen aufbreche werde ich mit einer Lunchbox und unter Tränen von Doña Rosita verabschiedet

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Als ich beim Schuhmacher vorbeischaue um eine Expertenmeinung zu meinen inzwischen halb zerstörten Sandalen einzuholen werde ich zu einer leckeren Tasse Quinoa-Ananas eingeladen

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Auf diesen Straßen macht Radfahren Spaß

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Mollepata, das Dorf am Rande des Abgrundes…

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Ist auch wie die vorherigen Dörfer völlig ausgestorben

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Am späten Nachmittag geht es bergab in die Schlucht…

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Mit einer perfekten Aussicht auf die Aufgabe für den nächsten Morgen. Da kommt Freude auf

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Dieses haarige Exemplar entdecke ich in der Nähe meines Schlafplatzes – zum Glück erst am nächsten Morgen

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Der Blick zurück auf die peruanische Straßenbaukunst

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Nach dem ich am morgen 1800m an Höhe gut gemacht habe, geht es direkt danach wieder nach unten – hinuter zum gleichen Fluss! Vielleicht wäre es einfacher gewesen eine Straße entlang des selbigen zu bauen??

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Es ist heiß, trocken und windig. Obwohl es flussabwärts geht komme ich nur mit großer Mühe voran – der Gegenwind ist verdammt stark.

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Ich durchquere einige wenige Tunnel – ein kleiner Vorgeschmack auf das was mich am nächsten Tag erwarten sollte…

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Moderne Felsmalereinen aka Wahlwerbung in Peru

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In der Nacht campe ich im Schutze einer Polizeistation, dann geht es los Richtung „Entencañon“. Auf dem Weg komme ich durch einige Ruinendörfer – diese sind dem großen Erdbeben 1970 zum Opfer gefallen

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Danach geht es stetig bergauf. am Fluss entlang und durch…

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über 30 Tunnel…

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durchs sogenannte „Entencanyon“, dass Cañon del Pato. Es trennt die Cordillera Negra von der Cordillera Blanca. Wie man sehen kann ist die Entfernung zwischen den beiden eher gering – deswegen auch die vielen Tunnel, die mich bei Gegenverkehr ein ums andere Mal um mein Leben fürchten ließen.

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Am späten Nachmittag komme ich nach einem meiner längsten und anstregensten Tage in Caraz an – in Sichtweite der weißen Riesen der Cordillera Blanca. Das wird spannend!

Ecuador II: El Oriente

13 Tage // 745km // 18,200 Höhenmeter

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„El Oriente“ – der Osten

Eine lange Reise mit dem Rad – was schöneres kann ich mir nicht vorstellen. Doch auf jeder Reise gibt es Momente der Frustration. Mit diesen habe ich in Ecuador meine ersten Erfahrungen gemacht. In Kolumbien war ich irgendwie immer auf Wolke 7 – hier hingegen hatte ich einige Durchhänger. Mit den Gedanken oftmals noch in Kolumbien, einigen mechanischen Problemen und anderen Kleinigkeiten fiel es mir ab und zu schwer, den Moment zu genießen. Deswegen machte ich mich nach meinem Ausflug zum Chimborazo auf die Suche nach ein bisschen Hitze – die Kälte hatte mir ein bisschen aufs Gemüt geschlagen. Die Route war damit relativ klar – ab in Ecuadors Osten, „El Oriente“ – den Amazonas. Hier fande ich nicht nur strahlende Sonne und ströhmenden Regen, sondern auch überaus gastfreundlichen Menschen und endlich mal wieder ein bisschen Dschungel. Meine Hoffnung, dass ich über diese Route deutlich schneller unterwegs sein würde und die Grenze innerhalb einer Woche erreichen würde erfüllten sich natürlich nicht. Auch Ecuadors Dschungel ist äußerst bergig – aber so gefällt es mir ja auch am besten.

Route: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=whmsihcsxgkzcfhj

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Am morgen klettere ich aufs Dach der Feuerwehr, die nicht nur einen Schlafplatz, sondern auch ein warme Dusche für mich parat hatten – und genieße mein Frühstück mit Blick auf den Chimborazo.

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Ich bin auf einen Tag mit viel Verkehr und einer langen bergab Fahrt vorbereitet – doch wie immer kommt es anders. Nachdem ich Riobamba verlasse ebbt der Verkehr fast komplett ab, ich habe die perfekt asphaltierte Straße ganz alleine für mich. Gegen meiner Erwartung geht es jedoch bergauf. Am Abend erreiche ich die Lagunas de Antillo – auf 3600m.

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Der Anblick ist wunderschön und störenden Verkehr gibt es auch nicht. Als ich nach einigen Stunden ein paar Leute fragen, erklärt sich auch warum dieses wichtige Verbindung zwischen den Bergen und dem Amazonas wie ausgestorben ist: Vor zwei Monaten gab es einen Erdrutsch, der die Straße blockiert und wegen hohem Niederschlag bisher nicht geräumt werden konnte. Die Meinungen, ob ich mit meinem Rad drüber gehen weit auseinander.

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Am nächsten Morgen erreiche ich den Ort des Schlamassels….

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Glücklichweise bin ich nicht der einzige – unter anderem treffe ich diesen sportlichen jungen Mann (dessen Namen ich leider vergessen habe), der sich grade in Quito auf seine Südamerika-Radreise vorbereitet…

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Ich wollte eigentlich Gepäck und Fahrrad einzeln tragen, dass hält mein compañero aber für überflüssig. Mit etwas Schweiß schaffen wir es in etwa einer halben Stunde, der Großteil der Arbeit wird dabei nicht von mir verrichtet…

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Und so bekomme ich endlich meine lange Abfahrt hinein in den Amazonas – wie schon am Vortag völlig Verkehrsfrei.

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Nachdem ich den ersten kräftigen Schauer überstanden habe erreiche die „Selva Alta“, den hohen Regenwald, die letzte Grenze zum Amazonasbecken.

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Mit dem Klima ändert sich auch die Architektur…

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El Plan de Milagros

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Viel Wasser und viel grün, dazu ein ständiges auf und ab…

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Abstatt kläffender Hunde treffe ich auf diesen einscherigen Süßwasserkrebs, der mir erst mit seiner verbleibenden Schere droht und sich dann im Gebüsch verzieht..

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Auf der Mauer, auf der Lauer…

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Nachdem ich bei der Feuerwehr in Gualaquiza eine Absage bekomme mache ich mich auf die Suche nach einem alternativem Schlafplatz…

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…und lande bei dieser Familie, die mich sehr herzlich empfängt. Als ich am nächsten Tag abfahrtbereit bin, überredet mich Diego (links) eine Runde mit ihm zu drehen und noch einen Tag länger zu bleiben. Dieses Angebot kann ich natürlich nicht ausschlagen…

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Als ich am nächsten Morgen aufwache wartet eine weitere Überraschung auf mich… Am Abend haben wir ein bisschen über Meerschweinchen (span. „cuy“) geredet und genau diese gibt es dann zum Frühstück. Nach dem Ausnehmen werden sie mit Kräutern gefüllt und am Spieß über dem Grill gedreht… Wirklich köstlich!

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Nach Gualaquiza bezahle ich für die lange Abfahrt hinuter in den Amazonas mit einem genauso langem Anstieg zurück in die Berge. Sicherlich einer der schwierigsten Tage bisher, mit Dauerregen, Kälte und Sturm komme ich halberfrohren und mit kaputtem Rad in Loja an. Dort erhole ich mich ein paar Tage im Casa de Ciclista von Pablo. In Südamerika gibt es eine ganze Reihe von Casas de Ciclistas, Leute die ohne jegliche Gegenleistung Räumlichkeiten für Radreisende zur Verfügung stellen. Alles bekann in Trujillo, Peru, wo „Lucho“ 1985 das erste Mal Reisende in sein Haus einlud und sich schwor, jedem Radreisenden der durch seine Stadt kommt ein Unterschlupf zu bieten. Lucho ist mittlerweile eine Legende in der Radszene und hat schon Tausende Reiseadler beherbergt.

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Mein Rad brauchte in Loja drigend einen fähigen Mechaniker. Meine Hinterachse ist gebrochen -außerdem brauchte ich neue Bremsschreiben und ein paar andere Ersatzteile, die es weder in Peru noch in Bolivien zu finden gibt (zumindest nicht ohne einen Umweg nach Lima). Eine kleine finanzielle Katastrophe für mein überschaubares Budget – mein Rad alleine hat mich in Ecuador mehr gekostet als ein Monat in Kolumbien… Ein paar Stunden von Loja entfernt komme ich in Vilcabamba an, einem sehr komischen Auswandererdorf, wo man seinen grünen Smoothie im veganen Health-Food-Shop auf Englisch bestellt beziehungsweise in der Bar nebenan sein Alkoholiker dasein auslebt. Dort angekommen bemerke ich, dass ich einige Sachen in Loja vergessen habe. Also suche ich mir die billigste Unterkunft, wo ich auf Dick treffe, einem amerikanischen Alt-Hippie, der sich seit drei Jahren mit einer gebrochenen Hüfte durchs Leben quält, weil er nichts von Schulmedizin hält und anstatt sich zu operieren darauf wartet, dass sein Freund irgendeine Maschine entwickelt, um ihn wieder hinzubiegen… Naja, es soll wohl bald soweit sein. In den nächsten beiden Tagen unterhält er mich mit Anektdoten über seinen jahrzehntelangen Kampf gegen die amerikanische Regierung und erklärt wie die verschiedenen Gringo-Kliquen im Dorf funktionieren. Trotz großer politischer Differenzen steckt er mir bei meinem Abschied ein paar Dollarscheine in die Tasche – nach dem Tod seiner Mutter und nach jahrelangem Rechtsstreit mit seinen Schwester hat er mit seinem Erbe finanziell ausgesorgt

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Danach geht es auf eine heiße Achterbahnfahrt Richtung peruanischer Grenze

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Definitiv meine besten Tage in Ecuador, es errinert mich doch sehr an Kolumbien…

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Diego und Ana, die beiden vom Pech verfolgten spanischen Radfahrer, die ich im Casa de Ciclista in Loja kennengelernt habe. 1. Aus Angst vor Kolumbien haben sie sich entschieden, ihre Reise gen Süden in Ecuador zu starten und verpassen somit das schönste alle Länder. 2. Ihre Fahrräder haben sie sich in Quito zusammen bauen lassen, leider war das mit einem Haufen Probleme verbunden. Als ich sie in Loja getroffen haben, waren sie in ihrer sechsten Woche des Wartens und täglicher Fahrradläden besuche. 3. In Vilcabamba wird Anas Handy geklaut und der neue Besitzer nutzt die Gelegenheit, den Vertrag voll auszunutzen: Als das Handy ein paar Stunden später von dem spanischen Anbieter gesperrt wird beträgt die Rechnung schon 200  Euro. 4. Ob mit oder ohne Form: die meisten Radfahrer leiden auf den letzten 100km zur Grenze Höllenquallen. Es ist bis zu 35° heiß und die Anstiege sind brutal. Die beiden meistern die Situation aber sehr gelassen und bleiben (fast) immer positiv und optimistisch. Nach einem dieser Anstiege lasse ich die beiden in meinem Windschatten zurück, ich bin gespannt wann wir uns wiedersehen.

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Al fin: Die sehr entspannte internationale Grenzeu: In 34 Tagen habe ich Ecuador durchquert und mit der positiven Energie der letzten Tage geht es mit viel Vorfreude nach Peru!

 

 

Ecuador I: La Sierra

17 Tage // 780km // 20,100 Höhenmeter

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Auf dem Weg zum Cotopaxi

Nach gut 15 Monaten in Kolumbien hieß es Abschied nehmen von diesem wundervollen Land. Je näher ich der Grenze zu Ecuador kam, desto langsamer wurde ich. So habe ich mich in den letzten Wochen vorallem darauf konzentriert, möglichst wenig Fahrrad zu fahren und der gestrichelten Linie auf meiner Karte, die das Ende meiner Zeit in Kolumbien markieren würde fern zu bleiben. Bei der kolumbianischen Gastfreundschaft natürlich kein Problem. Hinzu kam, dass ich alle meine Visa Möglichkeiten ausgeschöpft habe und eine Rückkehr erst im nächsten Jahr im März möglich ist. Doch eines Tages war es soweit: Nachdem ich nochmal eine Woche in Pasto und Ipiales vertrödelt habe, nahm ich all meinen Mut zusammen, machte mich auf den Weg zur Grenze, wartete eine Stunde in der Schlange und bekam meine „Exit“-Stempel in Kolumbien. Nun gab es kein zurück. Ein neues Land lag vor mir, Ecuador; mehr Berge, mehr Kälte, aber auch mehr Motivation zu radeln. Gut, dass neue Abenteuer auf mich warteten, die meine wehmütigen Gedanken an Kolumbien schon nach wenigen Tagen verdrängten….

 

Route: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=erxownkabhpksrdo

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Letzter Ausflug vor der granze: Die Basilika von Lajas

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Auf gehts nach Ecuador.

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Nachdem ich die Nacht bei der örtlichen Feuerwehr verbracht habe, mache ich mich auf den Weg zur Reserva Natural El Angel. Die Wegbeschreibung: Halte ausschau nach einer Statue eines Hitler-Zwergs mit nem Gewehr in der Hand.

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Von dort geht es auf Pflasterstein hinauf auf 3800m. Gut, dass ich mich in Pasto ein wenig an die Höhe gewöhnt habe.

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El Angel, Frailejon-Paradies

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Die Nacht verbringe ich im Refugio des Nationalparks, am nächsten Tag geht es steil bergab…

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Und schon bald wird aus Frailejon und Pflasterstein Zuckerrohr und Sand.

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Pflastersteine überall. Ein sehr gewöhnugsbedürftiger Belag zum Fahrradfahren.

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Nach drei Tagen werde ich das erste Mal von dieser netten Familie eingeladen. Das gibt gute Energie für die Weiterfahrt und lässt mich Kolumbien ein wenig vergessen.

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Ein kurzer Aufenthalt in Otavalo. Die Städte in Ecuador haben auf jeden Fall mehr zu bieten als in Kolumbien.

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Respetelo! Auf dem Weg zu den Lagunas de Mojanda treffe ich den Mono en Bici, ein Fahrradaktivist aus Quito, der mich nicht nur mit Essen versorgt, sondern mich auch in sein Haus in Quito einläd.

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In der Nacht schlafe ich neben einer Finca. In einem der Räume gibt es eine kleine Meerschweinchenzucht. Meerschweinchen gelten im Süden von Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien als Delikatesse. Leider bin ich bisher noch nicht in den Genuss gekommen…

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Am nächsten Morgen erreiche nach weiteren huckligen pflastergesteinerten Kilometern die Lagunas.

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In der Hoffnung einen Weg zu finden der mich auf die andere Seite führt treffe ich dieses Schmuckstück. Wenigstens kein Pflasterstein!

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In Guallabamba schlafe ich bei den Bomberos, der Feuerwehr. Hier in Südamerika findet man bei den Bomberos fast immer Unterschlupf, außerdem mit etwas Glück auch eine warme Dusche, eine Küche und Wifi.

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Nach einem langen Anstieg auf der Panamericana mit viel Verkehr und Abgasen komme ich in Quito an.

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Nach ein paar Tagen in Quito geht es über den alten Hauptstadtflughafen, der zu einem Radweg umfunktioniert wurde, Richtung Vulkan Cotopaxi.

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Mit dem Land ändert sich auch die Fauna…

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Cotopaxi beim Sonnenuntergang…

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und beim Sonnenaufgang.

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Zwar scheint meistens die Sonne, doch wenn es bedeckt ist wird es in der Kombination mit starken Wind verdammt kalt auf 4000m. Diese Esel ist gut gerüstet…

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Indigene Architektur

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Auf der Suche nach einem Schleichweg zur Laguna Quilotoa gehe ich irgendwo zwischen den Schafsweiden verloren. Ich mache mich zu Fuß auf die Suche nach einem Weg, immer darum bemüht nicht vom Wind weg geblasen zu werden.

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Nach langwieriger Suche finde ich schließlich einen Ausweg, der mich über eine lange Schleife und Hauptstraße nach Quilotoa bringt.

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Die schlechte Laune über meinen Autobahn-Ausflug ist wie weg geblasen als ich am Nachmittag an der Lagune ankomme.

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Am nächsten Morgen wandere ich knapp 4 Stunden um den Krater…

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Abschiedsfoto

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Danach geht es auf Schotter weiter Richtung Vulkan Chimborazo: Ein typisches Bild aus den Bergen Ecuadors: Trocken, Sonnig, Verlassen, dazu ein Wegweiser und eine Kirche.

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Definitiv einer der schönsten Strecken bisher. Nach einigen sehr harten Anstiegen bin ich weit über den Wolken, die von der Küste ins landesinnere ziehen und hier auf die Berge treffen.

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wow

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Als ich in Simiatug ankomme stelle ich erfreut fest das Markttag ist. Nach einigen kalten und vorallem windigen Nächten im Zelt gönne ich mir das örtliche 5$ Hotel und kaufe nach einer dringend benötigten Dusche ordentlich Obst.

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Nach einem 50km Ausflug zu einem Geldautomaten geht es über die höchste Straße Ecuadors (4385m) zum Vulkan Chimborazo, dessen 6300 hoher Gipfel auf Grund der nähe zum Ecuator der näheste Punkt der Erde zur Sonne ist.

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Nach ein paar Woche habe ich ein geschultes Auge für die örtliche Tierwelt. Hier zu sehen weder Lamas noch Alpacas sondern Vicuñas.

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Chimborazo

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Morgendlicher Blick auf den Chimborazo aus Riobamba.